Sachsen braucht eine „Schule für Alle“

Stellungnahme zum „Gesetz zur Weiterentwicklung des Schulwesens im Freistaat Sachsen“ vom 12.01.2016

In einer Zeit, wo in vielen Bundesländern ([1]) bereits zahlreiche Schulen des längeren gemeinsamen Lernens entstanden sind und weitere entstehen, verzichtet der Entwurf des neuen Schulgesetzes für Sachsen im Teil 2, § 4 auf diese notwendige Weiterentwicklung der sächsischen Schulstruktur. Damit wird die Möglichkeit für eine zukunftsfähige und chancengleiche Ausbildung der heranwachsenden Generation vertan.

Auch Sachsen braucht dringend eine „Schule für Alle“, in der die Kinder und Jugendlichen gemeinsam länger lernen, möglichst von der Schulanfangsphase bis zum Schulabschluss (Jahrgangsstufen 1 bis 10/12), unabhängig von sozialer, kultureller und ethnischer Herkunft, von unterschiedlichen Fähigkeiten Behinderungen und besonderen Lernbedürfnissen. In einer solchen Schule wäre es möglich,

  • auf die pädagogisch fragwürdigen Bildungsempfehlungen in der 4. Jahrgangsstufe und damit auf eine frühzeitige soziale Selektion zu verzichten,
  • Klassenwiederholungen (Sitzenbleiben) durch individuelle Förderkonzepte zu vermeiden,
  • die diskriminierende äußere abschlussbezogene Fachleistungsdifferenzierung in Hauptschul- und Realschulbildungsgang (§ 6) generell zu beseitigen,
  • der Individualität und Heterogenität der Lernenden durch individualisierende und gemeinsame Lehr-Lern-Arrangements Rechnung zu tragen und jedes Kind individuell zu fördern,
  • eine wirklich inklusive Schule, gemäß Artikel 24 der UN-Behindertenrechtskonvention zu gestalten,
  • mehr Freiräume für anspruchsvolle pädagogische Schulprogramme und -profile zu erschließen
  • vielfältigere Ganztagsschulangebote anzubieten
  • auch kleinen einzügigen Schulen auf dem Lande eine dauerhafte Perspektive zu geben,
  • weite Schulwege und lange Fahrzeiten zu vermeiden.

Mit einer solchen Schule können Bildungsbenachteiligungen verhindert, die Entwicklungsmöglichkeiten eines jeden Kindes optimal gefördert und somit die Bildungsressourcen unserer Gesellschaft besser genutzt werden.

[1] Berlin, Bremen, Hamburg, Saarland, Schleswig-Holstein, Baden-Württemberg, Nordrhein-Westfalen, Sachsen-Anhalt, Thüringen

→ Stellungnahme: Sachsen braucht eine „Schule für Alle“ (PDF)

Kommentare sind abgeschaltet.